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anima animé

09.03.17 - 11.04.17

 

Jane Cheadle

Jane Cheadles Kunst vermittelt keine offenkundige politische Botschaft, aber verrät durchaus ihr Interesse an politischer Theorie, was sie an der University of Cape Town (Universität Kapstadt) studierte, bevor sie die Richtung änderte. Ihre Beschäftigung mit dem Konzept der Arbeit, besonders der prekären und manuellen Arbeit und wie diese organisiert ist, scheint in ihrer Kunst durch, in ihrer Akzeptanz der vergänglichen Natur dessen, was sie schafft, wie auch in ihrer Herangehensweise an die Materialien.

Durch das Erkunden des Wesens des Materials, das sie für ihre Kunst verwendet, ermöglicht sie es den „besonderen Eigenschaften eines bestimmten Materials, sich selbst zu enthüllen.“ Diese Zusammenarbeit mit dem für die Produktion verwendeten Stoff ereignete sich bei der Herstellung der Animation Haie (2007) folgendermassen:

Ich habe ziemlich viel Zeit mit der Betrachtung des Linoleum-Bodenbelags in Holzoptik verbracht und ihn dann aufgeschnitten. Erst als ich den schönen grauen Betonboden darunter entdeckte, begann sich die Idee zu entwickeln, dünne Formen auszuschneiden und sie dann wieder zurückzulegen. Die Dicke des PVC-Bodenbelags [...], die besondere Qualität des PVCs und wie es auf dem Betonboden angeordnet wurde, machten die Animation möglich. Die angenommene Form – Haie – war nur eine Intuition oder ein Traum, oder vielleicht von dem zum Schneiden verwendeten Skalpell angeregt. Ich wusste, dass es eine sich „schlängelnde“ Fortbewegung sein musste.

Eine andere Animation entstand in einem leerstehenden Tanzstudio in Braamfontein, Johannesburg, in einem Gebäude in dem Cheadle und ihre Mitarbeiterin, Cobi Labuschagne, ihre Ateliers hatten. Weil sie ein freundschaftliches Verhältnis zu den Reinigungskräften des Gebäudes hatten, konnten sie für die Dauer des Projekts nachts in das Tanzstudio gehen. Aus diesem heimlichen Arrangement ging die Animation Schwimmer (2005) hervor, die 2005 den Man Group Drawing Prize des Royal College of Art gewann. Papier wird hier zu Wasser, während sich der Schwimmer, der mit Mal-, Textil- und Lebensmittelfarben dargestellt ist, mit grosser Leichtigkeit durch ein ungewisses Element fortbewegt.

Einige von Cheadles Animationen sind Studien zur Wiederholung und Variation. Zu Beginn der Hoffnung (2015) verliert eine runde Tafel die aufgetragene weisse Kreide-Schicht, indem Wasser über sie fliesst. Im Gegensatz zu Schwimmer, wo in späteren Aufnahmen, nach tagelanger Arbeit, am Ende der Animation die Schatten der Künstlerin und ihrer Mitarbeiterin erkennbar sind, hält Cheadles Abstellvorrichtung in Hoffnung das menschliche Handeln im Hintergrund und die Scheibe scheint sich von alleine zu drehen, während sie Rinnsale ausspuckt. Die Tafel dreht sich an derselben Stelle, aber jede Bewegung schafft neue Zeichen, Muster und Striche, als ob eine unsichtbare Hand eine schnell wieder verschwindende Reihe abstrakter Gemälde komponieren würde. Das Werk erhielt den Titel Hoffnung, aufgrund der Fähigkeit des Kreises, sich endlos zu drehen, obwohl die Verwandlung des Kreises in ein Quadrat am Ende der Animation suggeriert, dass sogar die Hoffnung an Momentum verlieren kann.

Cheadles Zeichnungen wirken fragil und vergänglich und bleiben absichtlich unvollendet. Sie entstehen aus ihren Animationen oder bereiten diese kreativ vor, aber sind nur selten aus diesen stammende Standbilder. Obwohl es ihr die Animation ermöglicht, ihre Zeichnung zu verzeitlichen, handelt ihre Kunst im Wesentlichen von der Freiheit, Bewegung und Veränderung, wobei letztere die Zerstörung ebenso umfasst, wie das Wachstum. Denn wie Cheadle erklärt: „wenn etwas festgelegt ist, hat es kein Potenzial für den Wandel.“

 

Stephan Erasmus

Stephan Erasmus ist ein vielseitiger Künstler und verwendet für seine Werke verschiedene Medien, unter anderem Ölfarben auf Leinwand, Aquarell, Siebdruck, Digitaldruck, Buchkunst, Strichzeichnungen und Skulpturen aus Holz.

Erasmus behandelt Text wie ein Material und verwandelt ihn mittels des verwendeten Mediums in bildende Kunst.

In den Serien Mist und Split and Twisted (Digitaldruck) werden Wörter rhythmisch manipuliert, damit Muster entstehen. Dem Weissraum zwischen den Buchstaben wird in Line Drawing I bis III (2016; Tinte auf Papier) und Text I bis III Negative (Aquarell) der Vorrang gegeben. In Threaded I und II (Baumwollfaden auf schwarzem Albumpapier) werden Fäden durch auf dem Papier durchstochene Buchstaben gezogen.

Indem er den Text wie ein Material manipuliert, entfernt Erasmus von ihm jede Fähigkeit zu belehren oder zu informieren. In Mist ist das Ergebnis der Bearbeitung des Textes ein vernebelnder Schleier. Der Text bei Split and Twisted ist bis zum Unverständnis gewebt worden und die Fäden, die in Threaded I und II von den Buchstaben herabhängen, bedecken alle Wörter.

In einigen dieser Serien verwendet Erasmus fünf Texte aus fünf verschiedenen Kurzgeschichten von Jorge Luis Borges als Grundlage für seine visuelle Manipulation. Die von Erasmus ausgewählten Borges-Geschichten handeln von Labyrinthen und schaffen so ein „Mise en abyme“: Text in einer visuellen Form, die ihn unlesbar macht, und die Verworrenheit (die Arbeit des Erasmus) verwendet als ihr Mittel einen lesbaren Text, der die Idee eines Labyrinths in einer – manchmal – surrealen Weise erforscht, welche die Existenz der materiellen Realität selbst in Frage stellt (die Schriften von Borges).

Einige der Kunstwerke von Erasmus stellen direkt einen Bezug zur Codierung und Verschlüsselung her. Der Künstler verrät nicht den genauen Wortlaut der Texte, die er manipuliert. In dem Versteckspiel besteht jedoch immer eine Spannung zwischen dem Wunsch, unentdeckt zu bleiben und dem Gegenteil, dem Wunsch entdeckt zu werden. Wie Erasmus einräumt „bittet das Versteckte darum, gefunden zu werden.“ Dennoch begrüsst er die Abweichung und Reflexion, die seine Kunst erzeugt. Als er über eines seiner Werke spricht, sagt er: „jede Person, die [eine] Textzeile las, erkannte andere Wörter [...], so wie Menschen das sehen, was [ihnen] vertraut ist.“

Erasmus sagte über seine Kunst, dass sie ein Liebesbrief an seine Muse ist. Diese Muse ist meistens die Sophia der gnostischen Tradition. Sophia ist für Erasmus auch eine Sirene, „die Muse, die das Licht der Inspiration für kurze Zeit ein- und dann wieder ausschaltet, damit Du Dich eine Weile bemühen musst.“ In einem anderen Spiel der Reflexion ist das Kunstwerk von Erasmus die Verkörperung des Lichts und Schattens seines Schaffensprozesses.