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Siwa Mgoboza: Africadia

17.11.2016 - 21.12.2016

 

Das Werk des südafrikanischen Künstlers Siwa Mgoboza untersucht die Konflikte, die dem globalisierten Subjekt innewohnen, in dessen Innerem divergierende kulturelle Einflüsse den Sinn für ein vereinigtes Selbst beeinflussen. Anstatt zu versuchen, ungleiche kulturelle und politische Kräfte anzunähern, spielt Mgoboza sie gegeneinander aus. So werden seine Kunstwerke zu kaleidoskopischen Visionen von mehreren Identitätssträngen.

Mgoboza hat seiner Vision von einer harmonischen Fragmentierung einen Namen gegeben: AfricadiaAfricadia ist keine Utopie – ein nicht existierender Ort – sondern ein symbolisches ‚zukünftiges Land‘, das in politischer Hinsicht durch Toleranz und Verständnis verwirklicht werden kann.

In der Serie Les Etres d’Africadia sind die kulturellen Mischwesen nicht voneinander zu unterscheiden, was die Rasse oder das Geschlecht betrifft. Mgoboza setzt Streifen von stark farbigem und gemustertem Stoff nebeneinander, um sowohl die Kostüme seiner Wesen als auch die Umgebung in der sie sich befinden zu erschaffen, wodurch die Perspektive verflacht und seinen Mischwesen und ihren Hintergründen die gleiche visuelle Relevanz gegeben wird.

Die von Mgoboza verwendeten Textilien gehören zu einer Serie gemusterter Stoffe, die ursprünglich in Manchester auf dem Höhepunkt des britischen Weltreichs hergestellt wurden und später über deutsche und schweizerische Siedler nach Südafrika gelangten. Französische Missionare schenkten dem König Moshoeshoe I., dem Herrscher über die Sotho, Stoffballen. Möglicherweise nach dem König benannt, wurde Seshweshwe seit den 1840er Jahren für die traditionelle Kleidung der Sotho verwendet. Die Art der Indigofärbung, mit der die Muster aufgedruckt wurden, gab es bereits in der Bronzezeit. Zur Zeit der Kolonialherrschaft bedienten sich europäische Staaten der Sklavenarbeit, um die Indigopflanze in tropischen Gebieten anzubauen. Der Anbau von Baumwolle, das Material aus dem der Stoff gemacht ist, war in der Vergangenheit ebenfalls von Zwangsarbeit und der Unterdrückung von Menschen geprägt. Heute wird der Stoff noch in Südafrika bedruckt, aber es besteht die Gefahr, dass er durch billige Importe aus Asien ersetzt wird. Der Stoff symbolisiert die sich verändernde Identität in einer Welt, in der – heute ebenso wie damals – Eroberung und Vorherrschaft neben dem kulturellen Austausch und Handel bestehen.

Mgoboza nimmt Seshweshwe auch als Material für seine Bildteppiche, in denen die Fragmentierung und Gegenüberstellung alter Formen und Muster neue, visuell-dynamische Kompositionen schafft.

In Who Let The Beings Out? befindet sich eines von Mgobozas Wesen vor einem Hintergrund mit traditionellen afrikanischen Artefakten und Antiquitäten. Das Geschöpf, als ein neuer Repräsentant Afrikas, scheint sowohl fehl am Platz als auch gerade am richtigen Ort zu sein. Es gibt starke Bildausdrücke, die beide Welten (wie zum Beispiel die Masken) verbinden, und genauso kommen ungleichartige Elemente vor, die sie trennen (die kräftigen Farben, die sich von Erdtönen abheben).

 

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