Florine Demosthene

In ihrer ersten Einzelausstellung in der Schweiz setzt Florine Demosthene die Erforschung des Konzepts des Reizes und des Objekts der Begierde als Subjekt fort.

Die Künstlerin stellt durch eine schwarze Heldin, die nicht den Stereotypen des sinnlichen Aktes entspricht, ein westliches Schönheitsideal und dessen Diktat in Frage. Diese von Demosthene geschaffene Heldin ist nicht scheu und bietet den Betrachtern offen die Stirn, indem sie diese aus mehreren Kunstwerken anstarrt. Ihre körperlichen Eigenschaften zeichnen sie als eine ganz besondere Figur aus, die aber auch repräsentativ für die schwarze Frau als sexuelles und sich selbst definierendes Wesen wird. Diese Betrachtung der nackten Frau als ein Wesen, das in der Lage ist, sich eine eigene Identität zu sichern, negiert ihre Rolle als ein einfaches Objekt der Begierde.

Die Heldin ist in manchen Werken völlig nackt, in anderen fast ganz verhüllt und in weiteren Bildern schwankt sie zwischen diesen beiden Extremen und ist in verschiedenen Stadien der Be- oder Entkleidung dargestellt. Demosthene sieht die Kleidung ihrer Protagonistin als symbolisch für eine kulturelle Ordnung an. Die Nacktheit resultiert aus ihren Bemühungen, sich dieser aufgezwungenen Bedeckung zu entledigen. „Die Stoffe sind die letzten Spuren ihrer Vergangenheit. [...] Die Heldin ringt mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihres Erwachens“, erklärt die Künstlerin.

Demosthenes sucht bei der Wiedergabe ihres Subjekts nach Bedeutung und geht dabei weit über die einfache Porträtmalerei hinaus. Zum Beispiel scheint sich die Haut ihrer Heldin in bestimmten Gemälden abzulösen und den Blick auf die darunter liegende, gefleckte Fleischschicht freizugeben. Wie die Künstlerin erläutert, ist ihre Heldin bei der Identitätssuche „entworden, um ganz zu dem zu werden, wer sie ist.“

Der Titel der Ausstellung spielt auf diesen Prozess etwas rückgängig zu machen und zu schaffen an, wie auch auf die mit Schönheit verbundenen Stereotypen.

Neu an Demosthenes Werken in The Unbecoming ist die Punu-Lumbo-Maske, die üblicherweise im Bereich des Flussbeckens des Ogooué in Gabun vorkommt und die weibliche Geister und Schönheit darstellen kann. Demosthene führt aus: „Ich verwende diese Maske als eine Art Barriere zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen, dem Sichtbaren und Unsichtbaren, vergleichbar einem Verkleideten, der abwechselnd in die Welt der Menschen und der Geister eintaucht.“

In den hier gezeigten Arbeiten hat Demosthene ihre bisherige Farbskala von Fleisch-, Braun-, Orange- und Ockertönen um Blau- und Grünschattierungen erweitert. In dieser Ausstellung werden Werke in gemischten Medien auf dem fast durchscheinenden Untergrund einer Mylar-Folie gezeigt, sowie noch neuere Collagen auf Papier oder Mischtechnik auf Mylar-Folie, deren Schichtung einen opaken Effekt erzeugt. Es sind auch Werke in gemischten Medien auf Leinwand vertreten.